Flucht

Flucht als Chance
Dass Stiere gerne ausbrechen, ist bekannt. Dass sie dies besonders gerne tun, wenn der Gang sie zur Schlachtbank führt, allen verständlich. Ein gezielter Schuss beendet üblicherweise solch überbordenden Lebenswillen, sowie aufgekeimte Panik. Anders erging es Nandi, dem Stier, als er durch das Fenster des Schlachthauses donnerte und sich verletzt im Wald versteckte; sich lange genug versteckt hielt, um Medien und Mitleid einer Leserschaft zu erwecken. Der Leiter eines Meditationszentrums als aktiver Tierschützer wurde ebenfalls aufmerksam und konnte durch Erhöhung des Kaufpreiseses das schon verkaufte Fleisch und damit Nandis Leben auf dem zweiten Gang zum Schlachthof auslösen.
Heute lebt Nandi mit vielen andern geretteten oder geheilten Tieren inmitten seiner Kuherde der Stiftung Felsentor an Hängen der Rigi (Innerschweiz), bewundert von Vegetariern wie Fleischessern.

Flucht als Schande
“ Die Antragstellerin schildert ihre vorgetragene Vergewaltigung und die damit zusammenhängenden Vorfälle sehr allgemein und unbeteiligt und vermittelt nicht den Eindruck, gefühlsmässig angegriffen zu sein.“ steht im Verhörprotokoll einer 17- jährigen aus Kamerun. Sie wird bis kurz vor Geburtstermin in der Flughafenunterkunft Frankfurt festgehalten und verhört. Erst als der Fall publik wird, gestattet das Amt die Einreise und bringt das junge Mädchen zur Entbindung ins Spital. Das war 2009 und warf grosse Wellen. So weit kommt es heute nicht mehr. Seit Mai 2012 werden Asylsuchende aus Afrika und Asien in Griechenland in Internierungslagern inhaftiert. Das Erste ist für 1000 Personen konzipiert, 50 weitere sind geplant. Die EU gebe Griechenland 300 Mio Euro zur Grenzsicherung, jedoch nur 10 Mio Euro für Flüchtlingsnothilfe. ‚Pro Asyl‘ und ‚Ärzte ohne Grenzen‚(MSF) warnen vor einer humanitären Katastrophe. Denn „Durch die politische Entwicklung in Griechenland hat sich die Lage für Menschen anderer Hautfarbe in den letzten Monaten deutlich verschärft“, sagt MSF-Geschäftsführer Frank Dörner aus Berlin. „Papierlose müssen immer mehr als Sündenböcke für die desolate wirtschaftliche und soziale Lage herhalten.“

Unter den 55’000 Flüchtlingen, die letztes Jahr nach Griechenland kamen, waren 6’000 unbegleitete Minderjährige. Nach ihrer Entlassung aus dem Internierungslager stehen die Betroffenen auf der Strasse und sind angewiesen, das Land innert Monatsfrist zu verlassen.

Flucht als Vorsorge
Angesichts der schwierigen Finanzlage Griechenlands und den Spekulationen um einen Euro-Austritt des Landes haben viele Griechen ihr Geld ausser Landes geschafft. In den vergangenen zwei Jahren seien 16 Milliarden Euro ins Ausland geschafft worden, davon bis zu zehn Prozent in die Schweiz.
Wie viel unversteuertes griechisches Geld in der Schweiz liegt, ist unklar. Es kursieren weit auseinandergehende Schätzungen, die von 2 bis zu 200 Milliarden Euro reichen. (!) Andere Gelder wurden nach Grossbritannien und nach Zypern transferiert. Heute veröffentlichte eine Athener Zeitung eine Liste angeblich armer Griechen, welche hohe Vermögen ins Ausland geschleust haben.

Flucht von Geld erscheint uns heute selbstverständlicher als Flucht zum Überleben.

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2 Gedanken zu „Flucht

  1. Flucht ohne Aufsehen
    Mit hunderten von Millionen Euro Investition hat die EU die Küsten der Kanarischen Inseln inzwischen flächendeckend mit Wärme-Radars versehen. So können kleine Flüchtlingsboote, die auf den Ferien-Archipel zusteuern, auch nachts aufgespürt werden.

    Vorher versuchten die „pateras“ dort an Land zu gehen, wo keine Polizei zu erwarten war. Bei dem lebensgefährlichen Versuch, von Afrika auf die Kanaren zu gelangen, sind innerhalb von wenigerals zwei Jahren 25.000 Menschen im Atlantik versunken. Fünfundzwanzigtausend. Ertrunken in den Wellen.

    Gestört haben die anderen zwei Dutzend, die die Frechheit besassen, sich tot oder halbtot zwischen die Touristen-Liegestühle der kanarischen Strände zu legen. Die 25.000 störten niemanden.

    • Ohne Aufsehen, ohne Presse, ohne Geschichte draussen halten, das ist die saubere Lösung, die unsere Welt voller Negativschlagzeilen uns anbietet. Wir könnten sie sowieso nicht verdauen…
      Jede Zeit hat ihre Deponien des Grauens. Die Fähigkeit zur Bemäntelung wächst synchron mit der Informationsflut.

      Doch ist einst auch die phönizische Prinzessin Europa schwimmend auf dem Stier aus heutigem Syrien nach Kreta gekommen. Flüchtling, Geliebte, Mutter, Grossmutter.
      Ob wir, gleich Europas Enkelkinder, wie Androgeos von Minotaurus getötet werden oder aber mit Hilfe von Ariadne und ihrem Faden das verborgene Ungeheuer in seinem innersten Labyrinth aufspüren, liegt an uns. Es gilt, Orientierungslosigkeit zu überwinden für die übernächste Generation.
      Wir könnten die Fäden ja zusammenknüpfen, denn das Labyrinth scheint mit jedem Zeitabschnitt gewachsen zu sein.
      Fäden stellt man aus Fasern her. Jedenfalls ist mir klar, dass der Faden rot sein muss.

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